Heute mussten wir nicht lenken und nicht abbiegen.
So kam es uns jedenfalls vor. Fast die gesamte Strecke fuhren wir auf der 141, die sporadischen Radwege mieden wir. Sie waren sehr holprig und anstrengend zu fahren. Die Straße hingegen war wunderbar und die wenigen Autos hielten wunderbaren Abstand. Es war sehr entspannt. Wir haben gelesen, dass man in Litauen als Radfahrende Warnwesten auf Straßen tragen muss, also taten wir das und wir glauben, dass die Autos deshalb so viel Abstand gehalten haben, weil wir sie so geblendet haben, mit unseren neongelben Doppelwarnwestenscheinwerfern.
Wir sahen viele Bikepacker, mehr als in Schweden und Polen. Wir sind bisher allerdings die einzigen, die eine Warnweste tragen, niemand sonst. Egal, fühlt sich gut an. Die Autos halten Abstand, genau wie sie sollen.
Bei der ersten Kaffeepause trafen wir ein Niederländisches Pärchen, sie waren 5 Wochen unterwegs, aber mit dem Camper und machten gerade eine Radtour von Kaunas nach Klaipeda. Litauen ist 1,5 mal so groß wie die Niederlande, hat aber nur 2,8 Mio Einwohner. Die Niederlande haben 18 Mio. Dort sieht man überall Menschen, hier nicht. Hier laufen sogar die Hunde frei im Ort herum und die Katzen traben das Memelufer mit fetter Beute im Maul entlang.
Heute übernachten wir in einem kleinen Ort, Smalininkai, der nur einen kleinen Laden hat, sonst aber nichts und wir mussten selbst kochen. Es gibt hier (bisher?) keine glutenfreien Nudeln oder auch keine Linsennudeln, so kaufte ich Linsen und es gab Linsenpampe mit Mais zum Abendessen. Ging so. Hier gibt es Abzugspunkte an Innovativität. Interessanterweise gab es auch keine fertige Nudelsoße im Glas. Man kauft die Tomaten im Glas und muss dann selbst würzen. Vielleicht wird es einfach sehr viel Pommes in diesem Urlaub geben und die ausgewogene Ernährung kommt dann wieder zu Hause. Zu den Pommes heute beim Mittag gab es immerhin "Salat": Gurken, Tomaten, Weißkohl. Alles roh. War auch lecker.
In vielen Orten gibt es kleine Supermärkte. Hier war ich drinnen, im gekühlten Raum und kaufte Cola und Schokolade, während Malte sich bei 40°C in den Schatten der Laterne quetschte.
Wir sehen hier sehr viele Libellen und Schmetterlinge, viele Raubvögel kreisen in der Luft und falls jemand Störche vermisst hat, sie sind hier, in Litauen. Und warum gibt es das alles? Weil es ganz viele Wiesen gibt. Extensive Landwirtschaft ist hier in diesem Gebiet nicht zu finden.
Was hier, genau an diesem Ort aber sehr gut zu finden ist, ist Russland. Gleich drüben auf der anderen Seite der Memel ist russisches Gebiet.
Ein Holzwurm knabbert im Holz der Hängematte.
Wir fanden nicht nur eine schöne Aussicht auf die Memel und russisches Gebiet, sondern auch einen ehemaligen russischen Soldaten. Übersetzungsapps sind nett, aber Sprachen zu können, verbindet. Ich signalisierte ihm minimale Russischkenntnisse und schon nahm er Kontakt auf. Es war Soldat in Bad Freienwalde und muss wohl irgendwas Geheimes gemacht haben, so mit verstecken und "pew pew" und er zeigte uns dann sein geheimes Erkennungstattoo an der Mittelfingerinnenseite seiner linken Hand. Wahrscheinlich ist es gar nicht geheim, oder doch? Wir konnten im Internet tatsächlich nichts dazu finden. Und dann verschwand er, schwer nach Alkohol riechend, auch schon wieder.
Die Unterkunft hier hat einen wunderschönen Garten und nun wird es auch endlich kühler.







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