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Litauen 2025 Tag 1

Dienstag, 12:15 oder 13:15. Deutsche Zeit, Litauische Zeit. Hier auf dem Schiff läuft alles nach litauischer Zeit und so waren wir überrascht, als um 8:15 die Ansage über die Öffnung des Frühstückbuffets erklang. Unsere Uhren und Handys und das Ipad sind noch auf deutscher Zeit, denn wir sind hier weit draußen auf dem Meer ohne Internet. Gut so. Alle laufen mit Büchern herum. Gut so, es sollte viel mehr Orte ohne Internet geben. Apple sieht das nicht so und so muss ich den Blogeintrag mit Google Notizen schreiben, weil ich MS Word ohne Internet nicht benutzen darf. Danke für gar nichts. 

Das heißt also auch, dass wir schon unsere erste Nacht der Reise verbracht haben, auf der Fähre nach Klaipeda. Vor zwei Jahren sind wir mit der Stena nach Göteborg gefahren, auch über Nacht und es gefällt uns hier viel besser. Auch wenn man draußen auf dem Fußboden sitzt, weil es kein Sonnendeck mit Stühlen gibt. Auch wenn man sehr lange für den Kaffee ansteht, weil die drei Automaten wahllos aussetzen und auch wenn alles etwas einfacher ist und es hier und da stinkt. Hier sind hauptsächlich LKW auf der Fähre und die Urlauber sind auch keine Mainstreamtouristen. Alles ist gechillt, wir haben gutes Wetter, keinen Seegang und es entspinnt sich eine fast schon familiäre Atmosphäre. Man kennt sich untereinander.

Und dann ist da noch die Brigade 45 im Bauch der Fähre. Unsere Fahrräder stehen direkt davor, vor sechs riesigen Unimogs. Die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland wird auch an Litauens Grenze zu Weißrussland verteidigt. 

Und dann raste Brigitte Luther mit ihrem Rollstuhl vorbei. Das sagte Mareike jedenfalls. Ich konnte sie nicht sehen. Mareike? Wer ist Mareike? Ich drehte mich um, schaute nach links und nach rechts und wusste, dass ich Malte verloren hatte. Ich schulterte meine Netztasche voller Utensilien und begann, das Schiff systematisch nach Malte abzusuchen. Vor einer Stahltür wurde ich von zwei Crewmitgliedern aufgehalten, die mich zwangen, einen Witz anzuhören: Treffen sich zwei Prostituierte, sagt die eine zur anderen: Hey, schau mal, da drüben ist Herr Schmidt. Kennst du den? - Ja, sagt die andere, der ist sehr höflich und zuvorkommend, denkt man ja oft nicht, wenn Leute so krass tätowiert sind. - Das habe ich auch erlebt, meistens sind die sogar noch viel netter, als die anderen. Und weißt du was, er hat sogar ein Tattoo auf seinem besten Stück 'Ruhmbalotte' Verstehe ich nicht ganz, aber macht auch nichts. Der ist einfach ein netter Typ, auch wenn er ihn nicht hoch bekommt. - Da wundert sich die andere und sagt: Was? Bei mir ist der immer bestens drauf, Ruhmbalotte? Habe ich nicht gesehen. Oder, warte mal, du, meinst du vielleicht "Ruhm und Ehre der baltischen Flotte"? 

Ich schaute die Crewmitglieder an, sie erwarteten wohl irgendwas von mir. Ein Lachen? Ein Schenkelklopfen? Ich runzelte die Stirn: Irgendwie habt ihr die Pointe verkackt, darf ich durch? - Sie brummelten zustimmend, schienen, sich gegenseitig die Schuld geben zu wollen, und dann durfte ich passieren. Aber auch hier, keine Spur von Malte. Ich hörte in Zischen, war das Brigitte Luther? So langsam machte ich mir Sorgen. Daniel Kübelböck kam mir in den Sinn - nein, das durfte nicht sein. Ich fing an, die anderen Gäste verrückt zu machen - Wo war Malte? Wo war Malte? *ding ding ding* Eine Durchsage: *irgendwas auf litauisch* dann deutsch: Verehrte Gäste, der kleine Malte möchte gerne aus dem Duty Free Shop abgeholt werden. - Da war Malte also. Ich rannte durch Gänge, über den Heliplatz, Stufen runter, Stufen rauf und da war sie: Umgeben von Parfumgasen hockte sie vor dem Spielzeug und fragte sich, was sie möglicherweise ihrem Freund mitbringen könnte. Sie musste von dem Gestank ganz benebelt sein, denn erst erkannte sie mich nicht. - Malte, ich bin's, der Larsi. - Sie blickte auf, der verschleierte Blick löste sich, sie sprang auf und sagte: Boah, ich muss hier raus, hier stinkt es total.

Und wir machten uns auf zum Mittagessen. 

Da wir sonst nichts zu tun hatten, machten wir Sozialstudien: Wir sind uns sicher, dass die Rezeptionistin etwas mit ihrem Kollegen hat, aber die Frau gegenüber im Minishop ist eifersüchtig. Der Fernseher ging aus und obwohl auch sie eine Fernbedinung hat, hat sie die Passagierin zu der Rezeptionistin geschickt, damit die beiden beim möglichen Techtelmechtel gestört werden. Ihr Plan klappte.

 Es gibt hier ein ganz cooles hetero Paar, die dann in der Genlotterie Pech hatten und sehr verhaltensausfällige Zwillinge bekommen haben und dann gibt es Familien mit drei Kindern, bei denen es ganz prächtig läuft und sogar Oma und Opa dabei sind und alle zusammen eine gute Zeit haben. 

Wir beide sind weiterhin froh, keine Kinder zu haben, genauso wie wir froh sind, keine Pferde zu haben, kein eigenes Haus, was jedes Jahr irgendwas braucht, kein Hamster und Meerschwein und keine Kinder, sagte ich das schon?

Und jetzt ist es auch schon 15:30, litauischer Zeit. Um 18:00 sollen wir ankommen. Schwuppdiwupp ist so ein Tag rum. Malte hat ihr Hörbuch nicht mal angefangen und ich wundere mich, ob ich den Blogeintrag zu Ende bekomme, denn: So langsam müssen wir ans Packen denken. ;-D


Fazit: Mit der Fähre zu fahren, war eine prächtige Idee.

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