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Litauen 2025 Tag 7 - 70,84km 537hm

Kalt

Sonne

Berge

Wir glühen. Seit der Dusche im Hotel sind unsere Gesichter rot, wir glühen. 

Vor zwei Tagen noch 33°C, heute startete unser Tag bei 12°C. Wir vermissten fast Handschuhe, so kalt war es heute morgen. Elektrenai lag im Nebel, der Schornstein des Elektrowerks von Elektrenai nur halb zu sehen. 


Unsere ersten Meter führten uns zu einem ganz besonderen Lost Place - einer alten Achterbahn. 


Wir waren total begeistert. Offenbar muss das Elektrowerk in Elektrenai irgendwann mal einen Freizeitpark gesponsert haben und aktuell ist noch die Achterbahn zu sehen. Aber nicht dass das Elektrowerk aufgehört hätte, in den Ort zu investieren, nein! Der Ort um die Achterbahn ist jetzt voll modern umgebaut, mit Café, Freizeitorten und einer ÜBERDACHTEN!!! Skateboardanlage. Sehr geil. Dort wären wir als Kinder immer gewesen und wir hätten nie wieder drauf warten müssen, dass der Asphalt trocken wird. Segeln kann man auch in Elektrenai und eine Wakeboardanlage mit zwei Cables hat der Ort auch. Litauen geht steil und wir sind dabei, es mitzuerleben. 

Die Kirche von Elektrenai.

Kunst am Segelclub.

Heute gab es viele Hügel, die waren zum Glück nicht so steil, aber dennoch nicht schön, im Gegensatz zu unseren vorigen Fahrtagen mit ungefähr gar keiner Steigung. Die Straßen waren trotzdem eine Wucht, keine Radwege, aber auch kein Verkehr, super entspannt zum Fahren. Erst Richtung Vilnius wurde es voller und wir landeten fast auf der Autobahn. Das war offensichtlich falsch und wir nahmen dann den Weg neben der Autobahn. Es war eigentlich eine Autobahn für Fahrräder neben der Autobahn für Autos. Unglaublich laut war es und die Polizei und Rettungswagen hören sich an wie in L.A.

Davor, bei 39km ein Kulturschock der anderen Art: Bislang war wirklich wenig los. Wenig Autos, wenig Leute, wenig von allem. Aber in Trakai tanzte der Bär und steppte der Papst im Kettenhemd. Leute wurden reisebusweise ausgekippt, um den Ort zu fluten, unter anderem ein Bus voller Italiener:innen. Dabei war der Ort gar nicht so groß, lag halt schön in einer Seenlandschaft von 200 Seen, hat eine Burg und ein heiliges Bildnis der Mutter Gottes in der Basilika. Und einen Reisebusparkplatz. An dem saßen wir mit bester Aussicht und aßen zu Mittag. Und weil es das Universum gut mit uns meinte, fanden wir dort unsere Reisearmbänder.

Die Steinperlen und Litauenbänder.

Weiter dann nach Vilnius, die besagte Autobahn und dann war Shopping angesagt! Ich habe mir eine neue Radhose gekauft, vielleicht muss ich Scheuerstellen dann nicht mehr mit Kinesiotape schützen. Hat übrigens nur so mäßig funktioniert, aber besser als gar nichts. Meine neue Hose trocknet gerade am Fenster an der Gardine hängend. 

Ein alter Elektrobus mit Oberleitung.

So ähnlich wie ich es von Russland kenne, glaube ich, dass es hier auch so ist, dass die Leute ein Draußen- und ein Drinnengesicht haben. Man sieht bisher draußen nur Leute mit steinerner Miene und auch Leuten im Laden ist es schwer, ein Lächeln abzugewinnen - das Draußengesicht. Und vom Drinnengesicht vermuten wir, dass es offen, herzlich und gastfreundlich ist. So war es jedenfalls bei den Gastgeberinnen unserer privaten Unterkünften.

Vilnius hat gute Radwege und gleich startet die Planung für die morgige Stadtbesichtigung. Ihr könnt euch mindestens auf Cyber City, Vinted und Kulissen von Stranger Things freuen, wir tun es auf jeden Fall!

Fun Fact vom Abendessen im Sushi Restaurant:

Malte geht auf die 50 zu und überlegt, ob sie nach der Reise direkt zu ihren Eltern fährt, um Klamotten waschen zu lassen. 

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