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Polen 2024 - Tag 9 - 82km - Danzig - Kadyny

(english below)

Huch, da sind doch gerade die Tropifrutti in die Gästeritze gekippt. Schnell wieder auflesen. Wir haben auch noch Milka Alpenmilch, Milka Bunte Flecken, eine dunkle Minzschokolade und eine 67% Schokolade im Angebot. Außerdem bunte Mentosreste und von meinem Geheimvorrat spreche ich erst gar nicht. Die zur Verfügung stehende Kalorienzahl ist also noch deutlich höher, als benötigt, aber besser haben als brauchen. Im Kühlschrank fanden wir heute zusätzlich noch zwei Fleischwürste, Aufschnitt, Tomaten, ein Bier und Brötchen auf der Theke. Wir nächtigen auf einem Gestüt und alles was im Kühlschrank ist, dürfen wir essen. Herrlich. Ach ja, für uns beide wurden auch noch 20 Eier zurecht gelegt. Kann man machen, können wir aber nicht konsumieren. Malte schlägt sich tapfer und hat zwei davon schon als Rührei verdrückt. Das heißt unsere Selbstkochabendroutine, war ein wenig gepimpt:  Normalerweise läuft sie so: Ich gehe zuerst duschen, fange dann mit kochen an: Linsennudeln mit Cherrytomaten und Basilikumtomatensoße, dazu Gurke. Heute aber auch noch eine gebratene Fleischwurst und zwei Rühreier. 

Malte gesellt sich frisch geduscht hinzu, unterstützt das Kochgeschehen, wir essen und Malte wäscht ab. Danach gibt es Naschi. Weingummi und/oder Schokolade. Die Kalorien müssen wieder rein. Falls es jemanden interessiert: Unsere heutige 82km Tour verbrannte 872 zusätzliche Kalorien. 

Mittag gab es heute erneut bei McDonald's. Neben uns saß eine dreiköpfige Familie, Muddi und Vaddi starrten ins Handy und der 11 jährige Sohn saß daneben. Es wurde überhaupt nicht interagiert. Grauenhaft. Wir hätten denen am liebsten das Handy aus der Hand geschlagen, oder noch besser, aus der Hand getreten, mit dem Metallteil unserer Klickpedalschuhe, einen Chuck Norris Roundhousekick ausführend.

Dieses Mal wollten wir den McDonald's-Müll reduzieren und Mehrwegbecher benutzen. Mit genau schauen fanden wir die Option und bekamen den Mehrwegbecher, den wir von Deutschland auch kennen. Froher Dinge wollte ich ihn nach unserem Verzehr zurück bringen und der junge Mann hinter dem Tresen wunderte sich... Das sei unserer, den hätten wir gekauft. WHAT??? Ok, offenbar war es kein Mehrwegbecher mit dem für uns bekannten Pfandsysten. Wir hatten gerade einen Becher gekauft. Den können wir nun kostenlos bei allen McDonalds's einsetzen (der Pappbecher kostet 30 Groschen). Unser Becher. Toll. Jetzt fahren wir also noch mehr Kram durch die Gegend. Immerhin passen dort die Frühstückjogurts von Lidl rein, und die Angst, sie in der Tasche zu zerstören und eine Katastrophe zu verursachen, ist ausradiert. 

Auf dem Fahrrad sagt man: "Cześć!" Das war unsere sprachkulturelle Erkenntnis des Tages. "Cześć" bedeutet eine lockere Form des Grußes, ältere Semester grüßten wir weiterhin mit "Dzień dobry", das kam uns angemessener vor.

Auf der Tour dachte ich zunächst, dass der Blogeintrag heute eher kurz ausfällt, weil die Strecke recht einfach und manchmal auch eintönig war, zum Beispiel an einer Autobahn entlang, aber genau betrachtet war heute so einiges los: Wenn wir LKW Fahrerinnen wären, würde Malte einen schwarzen LKW mit festem Laderaum fahren und ich einen mit Kran. Mal wieder saß ein Storch auf einer Laterne. Wir fuhren  viel an Kanälen entlang und sahen eine riesige Wolke aus Staren, die durch die Luft wirbelte. Unglaublich viele Schwalben säumten den Weg und möglicherweise sahen wir auch einen Adler. Ganz bestimmt aber Bussarde und Fasane.

Über die Autobahn donnerte auch eine Kolonne Militärfahrzeute, mit Schießfahrzeugen und in Anbetracht der Nähe Polens zur Ukraine ist das nochmal eine andere Nummer. Vielleicht fuhren sie auch zur Grenze nach Kaleningrad. Das alles konnten wir nicht wissen, malten es uns aber aus.

Kurz nach Danzig standen wir an einer Schranke und zwar richtig lange. Erst passierte nichts und wir fragten uns, ob die Einheimischen vielleicht einfach so drüber gehen oder radeln. Wir beobachteten andere Radfahrende, die hielten aber auch. Und dann, ganz langsam, schlich sich eine Rangierlok von links ins Bild, sehr viele Gasbehälterwaggongs folgen. Alles blieb stehen und bewegte sich wieder rückwärts. Die Rangierlok entfernte sich aus unserem Blickfeld, da sahen wir weiter drüben noch eine Lok mit Waggons genau dasselbe tun: Rangieren. Einige Zeit später ging die Schranke wieder hoch.

Wir trafen zwei Katzen, sie liebten uns. Eine saß vor dem ABC Markt (noch wunderbar im alten, polnischen Stil) in dem wir Wasser kauften und eine trafen wir auf dem Gestüt, auf dem wir heute schlafen.

Wir sind die einzigen Gäste und haben ein Stockwerk mit einem riesigen Flur für uns alleine. Wir können mit dem Wildschweinfell kuscheln oder mit dem Dachsfell oder mit dem von einem Tier, was wir nicht erkennen oder Pferd spielen, mit einem Sattel auf einem Bock. 

Bis wir unser Zimmer beziehen konnten, mussten wir allerdings warten. Vor dem Gestüt bis uns jemand rein ließ. 

Auf dem Gestüt, bis die Besitzerin kam: Ein polnischer Wirbelwind. Sie hatte eine Live-Übersetzerin am Telefon und so unterhielten wir uns. Russisch oder Italienisch wären auch eine Option gewesen, die Frau im Telefon war aber einfacher und eine sichere Nummer. 

Unser Haus auf dem Gestüt. Oben gehört uns.

Dann konnten wir uns endlich aufwärmen. Heute war es windig und maximal 16°C warm, es fiel uns aber trotzdem nicht ein, ein langes Shirt anzuziehen, viel zu unbequem, es aus der Tasche herauszuholen, T-Shirt, kurze Hose und Radweste mussten reichen. Taten sie auch so gerade, jedenfalls wenn man in Fahrt war, oder drinnen im Supermarkt. Nach der Dusche und spätestens nach dem Essen waren wir aber wieder aufgewärmt und sind bereit für den morgigen Sommertag: Die Fahrt an die Grenze zu Kaliningrad. 

Eine wunderbare Sammlung.

Picknick und Fahrradstationen am R10.

Warten mussten wir auch noch an einer Drehbrücke. Warum kann das die Lindaunisbrücke nicht? Warum ist sie seit Jahren Schrott? Hier ein Glanzstück der Ingenieurskunst. Polen überholt uns bald.


Ich habe mein Fahrrad gewaschen und es war herrlich. Für 4 Zloty mit Schaum, Hochdruck und entmineralisiertem Wasser.

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Oops, the Tropifrutti have just spilled into the guests' seats. Pick them up again quickly. We also have Milka Alpenmilch, Milka Bunte Flecken, a dark mint chocolate and a 67% chocolate on offer. There are also colorful Mentos leftovers and I won't even mention my secret stash. The number of calories available is therefore significantly higher than needed, but it's better to have than to need. In the fridge today we also found two sausages, cold cuts, tomatoes, a beer and bread rolls on the counter. We are staying at a stud farm and we can eat everything in the fridge. Wonderful. Oh yes, 20 eggs were also prepared for the two of us. You can do that, but we can't consume them. Malte puts up a good fight and has already eaten two of them as scrambled eggs. Our home-cooking routine was pimped a little: it usually goes like this: I take a shower first, then start cooking: Lentil pasta with cherry tomatoes and basil tomato sauce, plus cucumber. But today I also have a fried sausage and two scrambled eggs. 


Malte joins us freshly showered, supports the cooking, we eat and Malte washes up. Then we have some sweets. Wine gums and/or chocolate. The calories have to come back in. In case anyone is interested: Our 82km tour today burned 872 extra calories. 

We had lunch at McDonald's again today. A family of three sat next to us, Muddi and Vaddi were staring at their cell phones and our 11-year-old son was sitting next to them. There was no interaction at all. Horrible. We would have loved to knock the cell phone out of their hands, or even better, kick it out of their hands with the metal part of our clipless pedal shoes, performing a Chuck Norris roundhouse kick.

This time we wanted to reduce McDonald's waste and use reusable cups. By looking carefully, we found the option and got the reusable cup that we know from Germany. I happily brought it back after our meal and the young man behind the counter was surprised... That was ours, we had bought it. WHAT??? Ok, apparently it wasn't a reusable cup with the deposit system we were used to. We had just bought a cup. We can now use it for free at all McDonald's (the paper cup costs 30 pennies). Our cup. Great. So now we're driving around with even more stuff. At least the breakfast yogurts from Lidl fit in there, and the fear of destroying them in the bag and causing a disaster is erased. 

On the bike you say: “Cześć!” That was our language culture insight of the day. “Cześć” means a casual form of greeting, we continued to greet older people with ‘Dzień dobry’, which seemed more appropriate to us.

On the tour, I initially thought that today's blog entry would be rather short because the route was quite easy and sometimes monotonous, for example along a highway, but on closer inspection, there was a lot going on today: if we were truck drivers, Malte would be driving a black truck with a fixed loading space and I would be driving one with a crane. Once again, a stork was sitting on a lamppost. We drove along canals a lot and saw a huge cloud of starlings swirling through the air. An unbelievable number of swallows lined the route and we may have even seen an eagle. But certainly buzzards and pheasants.

A column of military vehicles also thundered along the highway, with shooting vehicles and, considering Poland's proximity to Ukraine, that's another story. Perhaps they were also heading for the border at Kaleningrad. We had no way of knowing all this, but we imagined it.

Shortly after Gdansk, we stood at a barrier for a really long time. At first nothing happened and we wondered whether the locals might just cross it or cycle over it. We watched other cyclists, but they stopped too. And then, very slowly, a shunting locomotive crept into the picture from the left, followed by lots of gas tank wagons. Everything stopped and moved backwards again. The shunting locomotive moved out of our field of vision, but then we saw another locomotive with wagons doing exactly the same thing further on: shunting. Some time later, the barrier went up again.

We met two cats, they loved us. One was sitting in front of the ABC market (still wonderful in the old Polish style) where we bought water and we met one at the stud farm where we are sleeping today.


We are the only guests and have a floor with a huge hallway to ourselves. We can cuddle with a wild boar skin or a badger skin or the skin of an animal we don't recognize or play horse with a saddle on a buck. 

However, we had to wait until we could move into our room. Outside the stud farm until someone let us in. 

However, we had to wait until we could move into our room. In front of the stud until someone let us in. 


At the stud until the owner came: a Polish whirlwind. She had a live translator on the phone and so we chatted. Russian or Italian would also have been an option, but the woman on the phone was easier and a safe number. 


Our house on the stud farm. Upstairs is ours.
Then we could finally warm up. It was windy today and a maximum temperature of 16°C, but we still didn't think of putting on a long shirt, it was far too uncomfortable to get it out of the bag, a T-shirt, shorts and a cycling vest would have to do. They did just fine, at least when we were on the move or inside the supermarket. After a shower and a meal at the latest, we were warmed up again and ready for tomorrow's summer day: the ride to the border with Kaliningrad. 


A wonderful collection.


Picnic and bike stations on the R10.


We also had to wait at a swing bridge. Why can't the Lindaunis Bridge do that? Why has it been scrap for years? Here is a masterpiece of engineering. Poland will soon overtake us.



I washed my bike and it was wonderful. For 4 zlotys with foam, high pressure and demineralized water.

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