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Polen 2024 - Tag 7 - 89km - Jastarnia - Danzig

Gänsehaut. Es ist 18:00 und soeben ertönte Bachs C-Dur Präludium vom Glockenspiel eines Kirchturms, zu hören in unserem Zimmer. Nun aber erst mal raus in die Stadt und etwas Essen.

(english below)

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Wir sind in Danzig. Bezaubert sind wir in die Stadt hinein gefahren. Erfreut schon seit Gdynia und staunend seit den Grand Hotels am Strand in Sopot. 

Danzig ist, soweit wir es heute schon beurteilen können gesehen, wahnsinnig schön. Die Hanse-Architektur ist einfach wundervoll. Wir schlafen im Stadtkern, haben zum Abendessen Bowl gegessen und sind dann durch die Innenstadt flaniert. Total schön. Ganz großartig.

Unsere Unterkunft. Das englische Haus ist eines der größten und höchsten Bürgerhäuser Danzigs. Renaissancefassade, Höhe 30m. Es beherbergt die Grafische Fakultät, Danziger Kunstakademie, Studentenwohnheim und Moon-Appartments, in denen wir wohnen.

Die touristische Seite ist hier natürlich auch sehr ausgeprägt: An jeder Ecke versucht jemand, Geld zu verdienen, mit Souveniers, Am-Reck-hängen-Challenges, Haare flechten, Zaubern. Wir blieben bei einem Quartett (Geige, Geige, Cello, Akkordeon) stehen und genossen die wirklich gute Musik. Jetzt auf unserem Zimmer können wir immer noch deren Klänge hören. 

Los ging es aber erstmal von Jastarnia aus, auf dem immer geradeaus führenden Radweg weg von der Landzunge. 20km können sich ganz schön ziehen wenn man nicht lenken muss, aber über viele Unebenheiten fährt. Wir zogen immerhin antizyklisch weg von den Urlaubern, die uns in Strömen, zumeist auf dem Rad, entgegen kamen. Wir treffen übrigens überall sehr viele Radfahrende. Überall. Dann denkt man, hier ist kein Mensch und man könnte sich an den Wegesrand hocken, schon sind sie da, als Spaziergehende oder mit dem Rad. Und vor allem: kaum E-Bikes.

Cappuccino und Eis gab es nach 30km in Puck und man merkte den Unterschied, je weiter man nach Danzig kommt, in den Preisen deutlich: Eine Kugel Eis für 1,64€. Vor uns saß eine Gruppe gut betuchter Rentner. Plötzlich konnten wir sie verstehen. Unser Ohr musste sich ein wenig dran gewöhnen, aber offenbar konnten sie alle neben Polnisch auch noch Schlesisch. Wir mussten dann fast schon aktiv weghören, es war aber zu interessant.

Die Fahrradwegen waren größtenteils wieder fantastisch 

und auf eher schlechten, rumpeligen Wegen bewunderten wir Rennradfahrer, die mit ihren schmalen Reifen offenbar nicht genervt waren und es war wirklich sehr holprig. Wir wären genervt gewesen. Waren es ab und zu auch mit unseren dickeren Gravelreifen.

Mittag gab es das erste Mal bei McDonald's. Ab Gdynia war es vorbei mit den vielen touristischen Fressbuden und Restaurants, da war McD nach 55km eine sichere Wahl. Kurz nach uns parkte ein Auto ein. Sie, älteres Semester stieg aus, mit ihrem Hund, ging rüber und half ihm raus. Es hat bei ihm ewig gedauert. Das rechte Bein wollte nicht mehr so richtig, der rechte Arm auch nicht mehr und im Schneckentempo wackelte er zu den McD Tischen. Erstmal nichts Besonderes, wäre er nicht aus der Fahrerseite ausgestiegen. Warum muss jemand, der fast halbseitig gelähmt ist, noch Auto fahren? Warum ist sie nicht gefahren?

Wir fuhren an Gdynias Zentralfriedhof vorbei, der überall mit frischen Sträußen bestückt war. Wir vermuteten, dass es am verganenen Feiertag lag, dass den Ruhenden ein Besuch abgestattet wurde. Sehr respektvoll schlichen wir an einer Trauergemeinde vorbei, die auf dem Weg zu einer Bestattung war.  

Wir wollten uns einmal vom R10 statt von Komoot leiten lassen, landeten auch wundervoll an einer Promenade, die mit Fitnessgeräten vollgestellt war, die auch benutzt wurden (Bondi Beach Polens) und endeten in einer Sackgasse. 

Toll, danke R10. Manchmal ist er komisch. Er leitet in Sackgassen, verschwindet, taucht wieder auf und manchmal ist er eine Wucht. 

Nach Sopot leitete er uns wuchtig, wir kamen an den Strand. 

Eine Strandpromenade vom Feinsten. Grand Hotels aus dem Bilderbuch. Luxus und Schönheit. Staunen und Faszination. Hier zeigte Polen allen, dass sie Ostsee können. Eine Grandezza in herausragendem Maße.


Danzig ist unser Städtehighlight auf der Tour. Wir bleiben zwei Nächte. Die Route für morgen ist geplant. Wir freuen uns.

Unsere Straße.


Altes neu gemacht. 

Die Platte gibt es aber auch noch.

Uns gefallen die übergroßen Ortsschilder.

Nach leckerem Essen zufrieden in der Innenstadt flaniert. Hinten unter dem Gebäude in den Bögen saßen die Musiker*innen. 

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Goosebumps. It's 18:00 and Bach's C major Prelude has just rung out from the carillon of a church tower in our room. But now it's time to get out into the city and eat something.

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We are in Gdansk. We drove into the city enchanted. Delighted since Gdynia and amazed since the grand hotels on the beach in Sopot. 


As far as we can see today, Gdansk is incredibly beautiful. The Hanseatic architecture is simply wonderful. We slept in the city center, ate a bowl for dinner and then strolled through the city center. Totally beautiful. Really great.


Our accommodation. The English House is one of the largest and tallest town houses in Gdansk. Renaissance façade, 30 meters high. It houses the Faculty of Graphic Arts, the Gdansk Academy of Fine Arts, student accommodation and Moon Apartments, where we are staying.
The tourist side is of course also very pronounced here: Someone is trying to make money on every corner, with souvenirs, hang-on-the-back challenges, hair braiding, magic. We stopped at a quartet (violin, violin, cello, accordion) and enjoyed the really good music. We can still hear their sounds in our room now. 

But first we set off from Jastarnia on the cycle path away from the headland, which always leads straight ahead. 20 km can be quite a long ride if you don't have to steer, but ride over lots of bumps. At least we were moving anti-cyclically away from the holidaymakers who were coming towards us in streams, mostly on bikes. By the way, we meet a lot of cyclists everywhere. Everywhere. Then you think there are no people here and you could just sit by the side of the road, and there they are, walking or cycling. And above all: hardly any e-bikes.

We had a cappuccino and ice cream after 20 km in Puck and you could clearly see the difference in the prices the further you got to Gdansk: a scoop of ice cream for €1.64. A group of well-heeled pensioners sat in front of us. Suddenly we could understand them. Our ears had to get used to it a little, but apparently they could all speak Silesian as well as Polish. We almost had to actively listen away, but it was too interesting.

The cycle paths were fantastic again for the most part 


and on rather bad, bumpy paths we admired racing cyclists who were obviously not annoyed with their narrow tires and it was really very bumpy. We would have been annoyed. We were from time to time, even with our thicker gravel tires.

We had lunch at McDonald's for the first time. From Gdynia onwards, the many touristy food stalls and restaurants were a thing of the past, so McD was a safe choice after 55km. A car parked shortly after us. She, an older woman, got out with her dog, went over and helped him out. It took him ages. His right leg didn't really want to go, nor did his right arm, and he wobbled at a snail's pace to the McD tables. Nothing special at first, if he hadn't gotten out of the driver's side. Why does someone who is almost half-paralyzed still have to drive? Why wasn't she driving?

We drove past Gdynia's central cemetery, which had fresh bouquets everywhere. We suspected that it was because it was a public holiday that the resting had been paid a visit. Very respectfully, we crept past a group of mourners on their way to a funeral.  

We wanted to be guided by the R10 instead of Komoot for once and ended up on a promenade full of fitness equipment, which was also being used (Bondi Beach Poland) and ended up in a dead end. 


Great, thanks R10. Sometimes he's funny. It leads to dead ends, disappears, reappears and sometimes it's a blast. 

After Sopot, it took us to the beach. 


A beach promenade at its finest. Grand hotels from the picture book. Luxury and beauty. Amazement and fascination. Here Poland showed everyone that it can do the Baltic Sea. Grandezza on an outstanding scale.


Gdansk is our city highlight on the tour. We stay two nights. The route for tomorrow is planned. We are looking forward to it.


Our road.



Old things made new. 


But the slab still exists.


We like the oversized town signs.


After a delicious meal, we strolled happily through the city center. The musicians sat at the back under the building in the arches. 

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