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Polen 2024 - Tag 5 - 102km - Ustka - Kirzkowo

(english below)

*paff paff paff* knallen die Paintballkugeln an die Wand. Die Jugendlichen kommen die Treppe hochgestürmt und ballern mit Paintballmaschinengewehren in den Spitzboden, in dem wir übernachten. *paff paff paff* Malte wollte aufspringen und sie verprügeln. Dann ist sie mit ihren Füßen gegen's Bett geknallt und wachte auf. 

Die Jugendlichen machten nachts noch mal laute Musik an, daher wohl Maltes Traum, aber dank meiner Ohrstöpsel habe ich davon nichts mitbekommen. 

Heute standen 88km auf dem Plan. Komoot hatte uns eine schöne Strecke rausgesucht, durch einen Nationalpark - wunderschön, wir hätten ewig so weiter fahren können. Dort sahen wir einen Fuchs, der überhaupt nicht scheu war... oder er war krank... wir checkten unseren Tetanusstatus im Kopf und wären bereit gewesen, zu flüchten, aber angriffslustig war er zum Glück nicht. Dafür sehr niedlich, irgendwie, aber auch ein wenig komisch.

Nach 20km erreichten wir Rowy. Der gesamte Ort war eine Touristenmeile und zu Beginn wieder einer dieser Luna Park.

Polen muss der größte Absatzmarkt für Fahrgeschäfte sein.

Rowy ist offenbar schon länger in der Hand der Touristen und es sah daher einfach überhaupt nicht so schrottig aus, wie wir das schon erlebt hatten. Alle Buden waren gezimmert oder gebaut, nicht bloß in schnellen Zelten untergebracht. In einer sehr stylischen Milk Shake Bar tranken wir Cappuccino und freuten uns über den tollen Radweg und hätten ewig so weiter fahren können.

Zwischendrin auch mal eine Passage, die uns wunderte, ein Pfad mit sehr vielen Wurzeln und Löchern, das sollte der R10 sein? Egal, wir dachten nicht weiter drüber nach und landeten kurzerhand vor einer Düne. Einer riesigen Düne. An der Wydma Czolpinska. Laut Komoot sollte es hier über die Düne gehen und dann parallel zum Strand nach Leba. Wir wunderten uns, stellten die Fahrräder ab und checkten die Lage. Malte ging die Düne hoch, kam mit Daumen runter wieder und ich sprach mit dem ersten Menschen, der mir begegnete, ob er wüsste, ob man dort mit dem Rad nach Leba kommen würde. Er ließ sich auch nur von Komoot leiten, die Fahrradeinstellung sollte ihn aber auch dort entlang führen, er würde nun das Rad aber stehen lassen. Ein Quad knatterte hinter mir hervor, jemand von der Beach Control. Er machte eine "geht so" Handbewegung dafür, am Strand mit dem Rad fahren zu können. Kurzerhand zog ich noch mal meine Schuhe aus, um mir die Situation selbst auch noch mal anzuschauen. Ich bin 230m die Düne hoch und weiter zu einer Kurve gelaufen, um dann zu sehen, dass dieser wunderschöne, feine Sand sich noch bestimmt 1km weiter zog, der Strand und die Ostsee waren noch lange nicht in Sicht. Wir hatten keine Ahnung, was uns dort erwartete und kurzerhand planten wir um. Zunächst sah es so aus, als müssten wir noch 90km bis zu unserem Ziel fahren. Wir hielten inne und überlegten nochmal ganz genau, damit wir keinen Blödsinn planen und fanden eine Strecke, die "nur" noch 70km lang war. Glücklicherweise führte sie durch den Ort, in dem wir ein gut bewertetes Bistro entdeckt hatten und kehrten dort erst mal ein. 

 

Wunderschön, aber kein Ende in Sicht.

Das war ein Träumchen: Ukrainischer Borschtsch und Bogratsch, beides polnische Nationalgerichte, schmeckten wunderbar.

 

Frisch gestärkt machten wir uns auf die nächsten 60km, heute alles bei 30°C. Und was sollen wir sagen: Polen hat einen wunderbaren Radweg, aber den verließen wir schon bald und fuhren die restlichen 40km auf der Straße mit bewegtem Verkehr. Das war geht so.

Wir fuhren durch viele kleine polnische Ortschaften, hier wurden noch die Kohlen mit der Schubkarre in den Keller gekippt.

Ein Highlight auf dieser Strecke war ein Ort mit Störchen. Nicht nur einer, nicht nur zwei und nicht nur drei Störche standen auf den Straßenlaternen, sondern 11. Und ein Highlight war auch der Shrek Spielplatz, auf dem wir noch eine kurze Riegelpause einlegten.

 

Dann fing es an zu regnen. Der Staub auf unseren Rädern und Taschen floss zu hässlichen kleinen Dreckpfützen zusammen und nach 99km hat Komoot noch mal alles gegeben und uns im Regen eine Holperstrecke mit extra viel Matsch beschert. 

In unserer 9,8 Unterkunft ist es jedoch wieder wundervoll, wir wurden per Google Übersetzer von unseren Gastgeber*innen versorgt und schon waren alle Strapazen vergessen. Die Hamstrings waren neu und besser getapt und mein Nacken hat auch eine Lage Kinesiotape abbekommen. Das fanden unserer Körper ziemlich gut. Nach Kichererbsennudeln kochen und essen in der Gemeinschaftsküche, die in einem alten Stall eingerichtet ist - "Das muss der Holzwurm sein." - sitzen und liegen wir nun in unserem Zimmer und essen Weingummi. 

Wie immer. Herrlich.





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(english below)


*paff paff paff* the paintballs bang against the wall. The teenagers come storming up the stairs and shoot paintball machine guns into the loft where we're staying. *Malte wanted to jump up and beat them up. Then she banged her feet against the bed and woke up. 


The teenagers turned on loud music again at night, which is probably where Malte's dream came from, but thanks to my earplugs I didn't notice a thing. 


Today's plan was 88km. Komoot had picked out a beautiful route for us, through a national park - beautiful, we could have gone on like this forever. There we saw a fox that wasn't shy at all... or he was sick... We checked our tetanus status in our heads and would have been ready to flee, but fortunately he wasn't aggressive. Instead, he was very cute, somehow, but also a little funny.



After 20km we reached Rowy. The whole place was a tourist mile. It's obviously been in the hands of tourists for a long time, so it just didn't look as shabby as we'd seen it before. All the stalls were timbered or built, not just housed in quick tents. We had a cappuccino in a very stylish Milk Shake Bar and were delighted with the great cycle path and could have gone on like this forever.



There was one section in between that surprised us, a path with lots of roots and holes, this was supposed to be the R10? Anyway, we didn't give it a second thought and ended up in front of a dune. A huge dune. At the Wydma Czolpinska. According to Komoot, it should go over the dune here and then parallel to the beach to Leba. We were surprised, parked the bikes and checked the situation. Malte went up the dune, came back with his thumbs down and I spoke to the first person I came across to see if he knew whether it was possible to cycle to Leba from there. He was also only guided by Komoot, but the bike setting should also lead him along there, but he would now leave the bike behind. A quad rattled out behind me, someone from Beach Control. He made an “okay” gesture for me to be able to ride my bike on the beach. Without further ado, I took off my shoes to have another look at the situation myself. I walked 230m up the dune and on to a bend, only to see that this beautiful, fine sand went on for another 1km, with the beach and the Baltic Sea nowhere in sight. We had no idea what awaited us there and quickly changed our plans. At first it looked as if we still had 90 km to go to our destination. We paused and thought again very carefully so that we didn't plan any nonsense and found a route that was “only” 70 km long. Luckily, it led through the village where we had discovered a well-rated bistro and stopped for a bite to eat. 


 



Beautiful, but no end in sight.

It was a dream: Ukrainian borscht and bogratsch, both Polish national dishes, tasted wonderful.


 

Freshly fortified, we set off on the next 60 km, today all at 30°C. And what can we say: Poland has a wonderful cycle path, but we soon left it and cycled the remaining 40 km on the road with moving traffic. That was fine.


We cycled through many small Polish villages, where the coal was still tipped into the cellar with a wheelbarrow.


One highlight on this stretch was a place with storks. Not just one, not just two and not just three storks were standing on the streetlights, but 11. And another highlight was the Shrek playground, where we took a short bar break.


 

Then it started to rain. The dust on our bikes and panniers started to pool into ugly little puddles of dirt and after 99km Komoot gave it its all again and gave us a bumpy stretch with extra mud in the rain. 


However, our 9.8 accommodation was wonderful again, we were looked after by our hosts via Google Translate and all the hardships were forgotten. The hamstrings were new and better taped and my neck also got a layer of kinesiotape. Our bodies thought that was pretty good. After cooking chickpea noodles and eating in the communal kitchen, which is set up in an old stable - “That must be the woodworm.” - we now sit and lie in our room and eat wine gums. 


As always. Wonderful.


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