(english below)
Oase, wir sitzen hier gerade in einer kleinen Oase, Klimaanlage und vor allem weg von den Touristen, von den Massen an Touristen, von den unglaublichen Mengen an Leuten, die hier an der Ostsee Urlaub machen. Wir sitzen drinnen in einem Restaurant und es ist nicht mal halb gefüllt. Gegenüber, im Eckrestaurant mit einer bunten Speisekarte an europäischem Allerlei ist kein Stuhl mehr leer, es ist sehr warm und Autos und Fahrräder und Leute fahren lärmend vorbei. Uns trennt hier zum Glück eine dicke Glasscheibe von dem Trubel. Und warum? Heute ist Feiertag, ein Donnerstag, herrlich für ein langes Wochenende. Und alle sind hier. Alle Polen. Man merkt die ausländischen Touristen gar nicht, so viele Polen sind hier. Voll, voll, voll.
Polens Ostsee ist wie Italiens Riviera oder die Copa Cabana. Oder gelegentlich wie die schlimmsten Orte auf Malle. Ein Campingplatz auf einem Rasen, im Hintergarten, Zelte dicht an dicht und auf der anderen Straßenseite ein riesen Spa Ressort. Sehr viele Menschen laufen mit nackten Oberkörpern herum, keine davon sind Frauen. Die Straßen, die am dichtesten an der Ostsee entlang führen, sind in den Ortschaften vollgeknallt mit Ständen und Buden und Essensmöglichkeiten. Voll, voll, voll. Und an jeder größeren Ecke, zumindest einmal in jedem Ort, gibt es einen Mini Freizeitpark. Mit irgendwas, was sich um mehrere Achsen dreht, natürlich Buden ohne Ende und eine kleine Achterbahn. Die Polen haben es hier halt drauf mit Entertainment und wir beide finden, dass es zumindest für Kinder ein Paradies ist. Aber auch dank des Feiertages: Voll, voll, voll und wir brauchen Zloty, ganz dringend. Wir wollen Geld in diese vielen bunten, blinkenden Spielautomaten stecken! Morgen müssen Zloty her, Malte musste sich schon einen Klogang verkneifen, weil die Halsabschneiderinnenklofrau auf 5Zloty oder 1,50€ bestand. Wir waren auch noch nicht klug genug, in Verhandlungen einzusteigen. Egal, morgen gibt es Zloty und eine Zahnbürste für mich. Die habe ich nämlich im Wasserkocher vergessen. 100% Vorbereitung, Zahnbürste abkochen - mitnehmen wäre auch schlau gewesen.
Wir brauchten bis zum Mittag, um 20km zu schaffen, was daran lag, dass wir ewig an der Fähre von Svinemünde rüber warten mussten und dann noch ewig am Zugschalter, aber es hat sich gelohnt: Wir haben jetzt einen IC für die Rückreise gebucht, von Danzig nach Stettin mit Fahrradmitnahme, ohne Umsteigen. Yes! Und es ist auch noch der billigste Zug der Welt. 28€ für zwei Personen mit 2 Fahrrädern auf einer 4,5h Strecke.
Billig und teuer geben sich hier die Klinke in die Hand. Die kleinsten Pommes der Welt beim Mittagessen waren auch noch teuer für die Menge. Bei Zabka und Biedronka hingegen, kauft es sich wieder billig ein. Zabka hat immer geöffnet.
Bei den kleinsten Pommes der Welt war dazu auch noch Geduld angesagt und noch eine Portion extra Geduld, weil wir noch eine dritte Pommes Portion orderten. Während des Wartens besuchten wir zum ersten Mal Zabka, ein... Alles-Imbiss-Kiosk-Laden...? Wir wussten noch nicht, wie wir uns heute zu Abend verpflegen konnten und im Zabka, der immer geöffnet hat, gibt es sogar eingeschweißte Fertiggerichte, aber wie ihr schon gelesen habt, saßen wir im Restaurant, der Oase, mit leckerem, viel besserem Essen.
Der Radweg R10 ist zum Teil ein Traum an Radautobahn und gelegentlich eine Wald-Gravelstrecke und eine Zeitlang war er auch eine Schlaglochpiste. Die sehr guten Radwege überwiegen aber bislang, nach dem ersten Tag.
Weiterhin finden wir, dass die FDP aus einem Haufen Lacksäufern besteht - Paris baut sich zur 15min Stadt um und die FDP will wieder mehr Autos in den Innenstädten. Kopenhagen würde kollabieren, wenn all die Radfahrenden mit dem Auto statt mit dem Rad fahren und alle hätten unglaublich viel schlechtere Laune.
Morgen schlängeln wir uns weiter durch Touristenmassen, eine Besserung erwarten wir erst Sonntag Abend. Wir sind gespannt, wie Polens Ostseeküste dann am Montag frequentiert ist.
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| Glücklich mit dem Zugticket. |
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| Waldstrecken durch ein Naturschutzgebiet. |
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| Da war es schon spätnachmittags und die andere Hälfte der Leute befand sich hinter uns im Ort. Dort konnte man sogar absurde "Urlaub 2024" Fotos machen lassen. |
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| Ausblick aus unserer heutigen Unterkunft. |





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