Wir sind jetzt im ältesten Badeort und Kurort Schwedens - Gustafsberg. Das Bad Doberan von Schweden. 1774 fing alles mit einem kleinen Badehaus an. Dann wurde das Badehaus größer, es gab Seetangbäder, Kaltbäder, Meerwasserduschen, der kleine Königssohn Gustav wurde hier geheilt, dann sprang die Popularität in die Höhe, die Reichen und Schönen Schwedens ließen sich hier von allem kuren, feierten Feste, die den Kurfortschritt einer ganzen Woche zunichte gemacht haben sollen und kurz vor einem Krieg traf sich das Königshaus in Uddevalla. Ist das nicht schön? Unverhofft ein bisschen schwedische Geschichte gelernt.
Unser Zimmer in dem ehemaligen Badhaus ist winzig. Ich würde behaupten 6m2: zwei Ikea Hochbetten würden nebeneinander passen und ein bisschen was davor. Es gibt ein Nachbarhaus als Küche und Aufenthaltsraum mit 2m hohen Decken, natürlich aus der Badhauszeit. Dort sitzen wir jetzt, werden gleich Nudeln kochen.
Hier gibt es auch noch ein ehemaliges Internat und später haben reiche Schweden ihre Ferienhäuser ans Ufer gebaut. Es wirkt alles wie ein kleiner Museumstouristenort, für eher reichere Gäste. Sehr lieblich und auch sehr schön.
Das Restaurant wirkte auch sehr edel. Wir kamen gegen 14:30 an, wollten keine matschigen Burger für 40Euro essen (beides ausgedacht) und sind dann noch nach Uddevalla reingefahren. Beim Imbis gegessen, Sachen für den Abend gekauft. So sind wir auf die 57km statt der angedachten 47km gekommen. Aber das war völlig in Ordnung... für uns...
...aber nicht für unseren Hintern. Tolle Sättel und alles, aber auch auf tollen Sätteln muss man sich erst wieder einsitzen. Die Sitzhöcker sagen "Hallo, hier sind wir." Und ich muss sagen, dass die Unterhosensache ein für alle Male gestorben ist: Unter der Radhose darf keine Unterhose getragen werden. Punkt. Auch wenn sie nahtlos und ein Hauch von Nichts ist. Nein, nichts darf mehr zwischen Haut und Radhose kommen, als eine Schicht Chamois, umgangssprachlich auch Arschcreme genannt.
Der Ochsenfrosch ist zum Abschuss freigegeben.
20:12 wir haben zu viele Nudeln gekocht. Man weiß das bei Spaghetti immer nicht so genau und da wir nach unserem reichen Mittagessen nicht mehr gefahren sind, ist der Hunger auch nicht mehr so sehr groß.
Eigentlich hätten wir früher Essen wollen, einen Pölser am Leuchtturm, jedoch war der Ort, der angeblich einen Leuchtturm hatte nur eine Anhäufung von sehr, sehr schönen Häusern, jedoch gab es keinen Leuchtturm und es war überhaupt nicht so touristisch, wie wir uns das ausgedacht hatten. War trotzdem schön.
Wir haben heute das erst Elch-Schild gesehen. Unser Ziel ist es, einen Elch in der Natur zu sehen.
Dann ist es auch immer so, dass man sich erst wieder an das Fahrradfahrleben gewöhnen muss. Wir müssen mehr in Etappen denken: 20km Pause 20km Pause 20km Pause 20km. Dann sind die langen Strecken auch nicht mehr so dramatisch. Heute sind wir die 53km durchgefahren, mit kurzem Himbeerpflücken zwischendurch, aber wie gesagt, wir wollte ja eigentlich am Leuchtturm Pölser essen, ansonsten hätten wir schon viel früher an einem Imbiss gehalten (Cowboy Pizza), die hier und da auf der Strecke erscheinen.
Abends selbst kochen ist irgendwie charmant. Morgen gibts dazu auch wieder die Möglichkeit.
Malte ist eher eine Speicher-Esserin - sie kann Massen vertilgen, braucht dafür aber eigentlich auch nur zweimal am Tag etwas. Lars ist eher eine On-Time-Esserin - der Nahrungszufluss muss eher stetig sein und die Portionen eher klein. Wir kriegen beides unter einen Hut, besonders wegen:
Ortlieb
Malte benutzt das neue Bikepackingsystem, Lars die Oldschoolvariante. Die hat die guten alten Quicklock 2 Gepäcktaschen und die gute alte Klickfix Lenkertasche. Die letztere hat einen Subraumgenerator und kann Unmengen von Gegenständen verstauen. Vor allem: Essen. Man kann den Deckel der Lenkertasche während der Fahrt nach vorne klappen und sich alles zu snacken rausholen, was man will. Es ist alles da: geschnittene Äpfel, Barbells Riegel, eine Banane, ein Snickers. Dann fasst sie auch noch: Die Gopro, auch während der Fahrt benutzbar, Handy, Tagebuch, zwei Stifte, zwei Messer, Portemonnaie, Medibox, Sonnenlabello, Biteaway Stift, Schnüre, drei Hundetüten, zwei 10l Müllsäcke, die Fährentickets, Schlüssel, eine Packung Tempos, Lavendelöl, Tigerbalm, eine Karotte und Lactrasetabletten. Und sie ist nichtmal bis oben hin gefüllt. Abnehmen in 3 Sekunden, dranbauen in 3 Sekunden. Meine zwei Rücktaschen in 3 Sekunden jeweils.
Malte hat das neue Bikepackingsystem, sieht definitiv cooler aus. Wir glauben aber, dass Ortlieb sich das in einer "scheiße wir müssen uns schnell was fürs Bikepacking ausdenken"-Hauruckaktion ausgedacht hat. Fummelig, hängt schief, passt nicht richtig unter den Sattel. Oder vielleicht ist es so, dass Leute die Bikepackingsachen einfach cool finden und man dann halt liefert. Egal obs praktisch ist. Warum baut man nicht einen einfach anzubauenden Klickfixhalter für den Lenker? Ortlieb hat ja schon ein System für eine Tasche mit Kunststoffadapter, aber der ist AN der Tasche dran und man muss wieder jedes Mal Fummeln. Mein Klickfix Adapter ist die Hölle anzubauen. Was braucht man? Einen Klickfixadapter, der einfach und schnell anzubauen ist, mit ein bisschen fummeln. Dann kann man den zu einer Tour ranfummeln und wieder entfernen. Und bei der Tour die Lenkertaschen einfach klickfixen. Direkt mal bei Ortlieb vorgeschlagen. Das Bikepackingsystem ist noch massiv verbesserungswürdig.
20:52 Malte hat es schon geschafft vom Tisch aufzustehen und Duschen zu gehen. Ich sitze noch und schreibe Blog. Duschen wäre aber schon auch gut heute. Europa hat Hitzerekorde, wir hier nicht. Wir fahren mit langem Shirt und Radweste, die Anstiege haben uns aber trotzdem schwitzen lassen. Die andere Waschchallenge lautet: Meriono wird die ganze Tour nicht gewaschen.
Der Wind war heute auch noch da, aber wir sind meist geschützt gefahren und auch wenn wir noch einiges an Anpassungen erleben müssen, können wir für den heutigen Tag sagen: Fahrradfahren macht wieder Spaß.
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We are now in the oldest seaside resort and spa in Sweden - Gustafsberg. The bath Doberan of Sweden. In 1774 it all started with a small bathhouse. Then the bathhouse became bigger, there were seaweed baths, cold baths, seawater showers, the little king's son Gustav was cured here, then the popularity skyrocketed, the rich and beautiful of Sweden had everything cured here, celebrated parties that are said to have wiped out a whole week's spa progress and just before a war the royal family met in Uddevalla. Isn't that nice? Unexpectedly learned a bit of Swedish history.
Our room in the former bath house is tiny. I would say 6m2: two Ikea loft beds would fit side by side and a bit of something in front. There is a neighboring house as a kitchen and lounge with 2m high ceilings, of course from the bathhouse days. There we sit now, are about to cook pasta.
There is also a former boarding school here and later rich Swedes built their vacation homes on the shore. It all seems like a small museum tourist resort, for rather richer guests. Very lovely and also very beautiful.
The restaurant also seemed very classy. We arrived around 14:30, did not want to eat mushy burgers for 40Euro (both made up) and then still went in to Uddevalla. Eaten at the snack bar, bought things for the evening. So we came to the 57km instead of the intended 47km. But that was completely in order... for us...
...but not for our butts. Great saddles and all, but even on great saddles you have to sit back in first. The seat bumps say "Hello, here we are." And I have to say that the underpants thing is dead once and for all: no underpants should be worn under bike shorts. Period. Even if they are seamless and a breath of nothing. No, nothing is allowed to get between the skin and the bike shorts more than a layer of chamois, colloquially known as ass cream.
The bullfrog is up for grabs.
20:12 We have cooked too much pasta. You always don't know with spaghetti and since we didn't drive after our rich lunch, we're not that hungry anymore.
Actually, we would have wanted to eat earlier, a Pölser at the lighthouse, however, the place that supposedly had a lighthouse was only a cluster of very, very nice houses, however, there was no lighthouse and it was not at all as touristy as we had thought. It was still nice though.
We saw the first moose sign today. Our goal is to see a moose in nature.
Then it's also always the case that you have to get used to cycling again. We have to think more in stages: 20km break 20km break 20km. Then the long distances are no longer so dramatic. Today we drove the 53km through, with short raspberry picking in between, but as I said, we actually wanted to eat at the lighthouse Pölser, otherwise we would have stopped much earlier at a snack bar (Cowboy Pizza), which appear here and there on the route.
Cooking in the evening itself is somehow charming. Tomorrow gibts to it also again the possibility.
Malte is more of a memory eater - she can consume masses, but actually only needs something twice a day. Lars is more of an on-time eater - the influx of food has to be steady and the portions rather small. We get both under a hat, especially because of:
Ortlieb
Malte uses the new bikepacking system, Lars the oldschool version. The has the good old Quicklock 2 panniers and the good old Klickfix handlebar bag. The latter has a subspace generator and can stow oodles of items. Especially: food. You can flip the lid of the handlebar bag forward while riding and get out whatever you want to snack on. It's all there: sliced apples, Barbells bars, a banana, a Snickers. Then it also holds: the Gopro, also usable while driving, cell phone, diary, two pens, two knives, wallet, medibox, sun chapstick, Biteaway pen, strings, three dog bags, two 10l garbage bags, the ferry tickets, keys, a pack of Tempos, lavender oil, tiger balm, a carrot and Lactra tablets. And it's not even filled to the top. Take it off in 3 seconds, put it on in 3 seconds. My two back pockets in 3 seconds each.
Malte has the new bikepacking system, definitely looks cooler. We believe, however, that Ortlieb has thought up in a "shit we have to think of something fast for bikepacking"-Hauruckaktion. Fiddly, hangs crooked, does not fit properly under the saddle. Or maybe it's so that people just find the bikepacking stuff cool and you just deliver. No matter obs is practical. Why not build an easy to attach Klickfix holder for the handlebar? Ortlieb has yes already a system for a bag with plastic adapter, but that is ON the bag and you have to fumble again every time. My Klickfix adapter is hell to attach. What do you need? A Klickfixadapter, which is easy and quick to attach, with a little fiddling. Then you can ranfummeln the to a tour and remove again. And on the tour the handlebar bags simply klickfixen. Directly times suggested at Ortlieb. The bikepacking system is still in need of massive improvement.
20:52 Malte has already managed to get up from the table and take a shower. I'm still sitting and writing blog. Showering would be good today, too. Europe has heat records, we here do not. We ride with long shirt and cycling vest, but the climbs still made us sweat. The other washing challenge is: Meriono is not washed the whole tour.
The wind was also there today, but we rode mostly protected and even if we still have to experience some adjustments, we can say for today: cycling is fun again.
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