Direkt zum Hauptbereich

Tag 8 - Trelleborg -> Kiel/Ahrensburg

Fremdscham.

Ich bin gerade vor Fremdscham geflüchtet. Der Alleinunterhalter singt auf dem Deck "New York, New York", setzt sich lässig an den Tisch und rezitiert den Text, steht wieder auf und sing inbrünstig weiter. Er war noch niemals in New York. So viel ist mir klar geworden, aber der Schwall an seltsamen Gefühlen der mich übermannte war nicht ertragbar. Nein, ich möchte mich auch nicht locker machen oder entspannen, das war schlimm. Fremdscham.

Jetzt sitze ich also im Bordrestaurant und beginne den letzten Eintrag unserer Tour. "Beginne" deshalb, weil uns beim Recherchieren der Zugverbindung nach Hause mal wieder ein Schienenersatzverkehr mit Bussen von Travemünde nach Lübeck über den Weg lief und wir also nochmal aufs Rad steigen werden. 20km nach Lübeck - kein Ding, aber trotzdem Danke Deutsche Bahn. 1 of 10 would not recommend.

Wohingegen ich allen eine Reise mit der Fähre ans Herz legen kann. Ich muss jedoch eingestehen, dass wir heute auch fantastische Bedingungen mit keinem Wind und nettem Wetter haben und die Fähre ist relativ leer ist. Was ein ganz großer Pluspunkt und unbedingt empfehlenswert ist, ist für nicht viele Euros extra, einen Pullman Seat zu buchen. Wir sind zu viert in einem 50qm Raum, der nur von uns betreten werden kann und haben zwei voll zur Liege umwandelbare Sitzplätze, viel, sehr viel Platz im Beinbereich und Steckdosen in der Mittelkonsole. Es ist unglaublich ruhig in diesem Raum. Herrlich.

Dann hatten wir ein wunderbares Frühstück und eine große Mittagsessenauswahl und gleich gibt es vielleicht doch noch einen Kanelbullar. Erst wollte ich ja nicht, aber nachdem mein Gefühlchaos so langsam abklingt, könnte ich mir doch vorstellen, noch etwas Süßes zu essen. Allerdings sind die Kanelbullar hier nicht so hübsch wie in Schweden in der Bäckerei, sondern irgendwie, als wäre sie in einer riesigen Muffinform gebacken. Nun ja, Hauptsache der Geschmack stimmt. 

In Trelleborg kann man super übernachten und der erste große Spaß des Tages war, dass wir mit dem Fahrrad über das Hafengelände einem Safety Car folgend fahren durften. So haben wir bis jetzt schon ca. 800m auf unserem Radtacho für heute. Insofern können wir der Deutschen Bahn fast dankbar sein, dass wir noch mal in Bewegung kommen. In 40 min sollten wir schon ankommen.

Wer Kinder hat, wird sich über die Kinderanimation auf der Fähre freuen, mindestens vier Mal auf der acht Stunden Tour wurde Kinderanimation ausgerufen und bei der Schatzsuche hätten wir am liebsten selbst mitgemacht. 

Eins ist uns jedenfalls jetzt schon klar: Skandinavien bleibt ganz weit vorne auf unserer Tourenlandliste, so gut hat es uns hier gefallen!!! Allein schon, dass es hier nicht so vollgeknallt mit Leuten und Autos ist. Und soll ich dann nochmal von den fantastischen Radwegen anfangen? Butter, ich sach nur Butter. 

16:55 - ich gehe mal Kanelbullar holen. Fortsetzung folgt.


Donnerstag, 11. August 2022 20:41

Die Fortsetzung folgte spät. Wie das dann halt so ist. Kaum ist man zu Hause, fliegen einem die ToDos um die Ohren. 

Unser Abreisetag wurde nochmal richtig actionreich!

Was falsch war, war die Vorstellung, dass wir 17:30 in Travemünde ankommen würden. Ich meinte gelesen zu haben, dass wir 8 Stunden fahren würden. Nun ja, die Annahme war falsch, ebenso wie die Ansage, dass wir 18:30 anlegen würden. Es gab noch eine minimale Überlegung, den Zug um 18:39 erreichen zu wollen. Jedoch bremste uns die Finnlandfähre aus, die quer stand und wir aneinander vorbeimanövrieren mussten. Und das in diesem schmalen Travebecken. Es wurde eher 18:50.

Wir schauten auf unsere Abfahrzeiten in Lübeck: 20:06 und 20:10, sonst eine Stunde später. Komoot sagte 20km bis zum Hauptbahnhof - DAS KÖNNEN WIR SCHAFFEN und wir bretterten los.

So schnell uns unsere Beine trugen, bretterten wir hinter den Autos aus der Fähre, bretterten den Fahrradweg weiter, bis ich feststellte, dass ich den Radcomputer gar nicht angeschaltet hatte und wir uns entscheiden mussten zwischen: Nach dem Radcomputer, der sich noch nicht aktualisiert hatte fahren, oder nach den Schildern. Wir entschieden uns für die Schilder und rasten den nächsten Halt an: Der Bus für den Herrentunnel. Und er stand genau vor unserer Nase, was für ein Glück! Und was für ein Glück, die Kenntnis über diesen Bus zu besitzen! Finde mal als Ortsfremder raus, dass Du als Radfahrer das nächste Teilstück mit dem Bus fahren musst. Ich bin mir sicher, Komoot hätte uns anders geleitet. 

Direkt nachgeschaut: Jep, führte oben rum.

Der Bus war da, packte uns ein und wir machten ein bisschen Strecke gut, raus aus dem Bus und voll Speed rein nach Lübeck.

Und was soll ich sagen?

Natürlich haben wir unsere Anschlüsse bekommen und das sogar mit einem 20min Polster, in dem wir entspannt die 6€ teure Fahrradtageskarte kaufen konnten. Sagte ich eigentlich schon, dass es eine Frechheit ist, 6€ für das Rad zu verlangen und es dann bei Schienenersatzverkehr nicht mehr mitzubefördern??? Der Bus durch den Herrentunnel macht es vor: Es muss ja nicht IM Bus Platz für Räder sein, aber man kann hinten an einen Bus auch einen Fahrradanhänger ran bauen. Das macht der Herrentunnelbus. 

Und dann trennten sich auch schon unsere Wege, sehr unprätentiös in Lübeck im Bahnhof.

Für Deutsche Bahn Verhältnisse lief dann unsere Fahrt relativ glatt. Personen auf dem Gleis, Aufzug in Bad Oldesloe funktionierte nicht, aber wir kamen immerhin ungefähr in der Zeit an unseren Endhaltestellen aus.

Ende gut, alles gut.

War super.

10 of 10 would recommend!

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Niederlande Tag 3 - 90km und arschviel Wind

Wir sind bei der Planung der Niederlande Tour ein wenig naiv gewesen: "Ach, mehrfach 100km, das macht ja nichts, ist ja flach." Zum Glück wurden uns heute 26km durch den Fahrradbus abgenommen, denn: Boah war das heute windig! Und natürlich nur Gegenwind. Alter Holländer!  Nach zehn Kilometern fragte Malte sich, wo eigentlich ihre zweite Radhose abgeblieben war, die sie zum Trocknen auf die Tasche geschnallt hatte.  Nach 13km gab es die geplante Frühstückspause oben auf dem Deich, damit wir endlich mal das Meer sehen konnten. Der Radweg geht innen, unten am Deich entlang. Da saßen wir, in der Schafscheiße und aßen Haferflocken mit Jogurt. Es wurde wärmer, T-Shirt an, Sonnencreme drauf und 2km später fragte ich mich, wo eigentlich meine Uhr abgeblieben war. Zum Glück fand ich sie in meiner Radtasche wieder. Maltes Hose blieb verschollen und wir hatten schon zu viele Kilometer gegen den Wind geknüppelt, dass wir sie nicht suchen fahren wollten. Der Wind wurde stärker und die Ges...

Niederlande Tag 4 - 69km Regen und Wind

18:00 Wir sind seit 16:15 in unserer Unterkunft und ich würde gerne sagen, dass es draußen Bindfäden regnet, so wie es noch heute Mittag vorhergesagt war, aber nein, es ist wechselnd bewölkt, trocken. Wir fühlen uns wie Kevin allein zu Haus. Wir haben ein Zimmer im Dachboden eines Privathauses, aber die Besitzer*innen sind ausgeflogen. Es ist sehr ruhig. Ganz anders als gestern das Zimmer im WestInn hinter dem Deich. Das was den Rest des Abends so laut war, war nicht die adhs Hollandschlagermusik, sondern ein 60. Geburtstag in der Bar vor unserem Fenster. Wir ebenerdig, die ebenerdig, die Straße 3m breit. Und von der Straße ging ein 1m breiter Gang zwischen den Häusern durch zu unserer Eingangstür, so hatten wir den Lärm von beiden Seiten. Aber dank der guten 3M Ohrstöpsel bin ich sofort eingeschlafen und erst aufgewacht, als draußen auf der Straße Basketball gespielt wurde. Am nächsten morgen stellte sich heraus, dass es nicht Basketball war, sondern dass andere Gäste, wahrscheinlich ...

Niederlande Tag 1 - 40,82km 55hm

Heute ist der erste Tag unserer Radreise, unseres diesjährigen Adventures of Malte and Lars, entlang der Küste der Niederlande. Wir hatten dieses Mal eine nur gut dreieinhalbstündige Anreise, aber die war so langweilig, dass es sich länger als die Schifffahrt nach Litauen angefühlt hatte. Genauso ewig, wie die letzten 6km bis zu unserem heutigen Ziel, dem Kastanienhof.  Schaut euch diese Fenster an! Sie sind riesig! Ich habe noch nie Häuser mit solch riesigen Fenstern gesehen, aber hier haben alle Häuser solche Fenster. Wahnsinn. Man fühlt sich, als würde man in einem Wintergarten sitzen.  Es gibt einen verrückten Hund. Er ist immer vor und zurück gerannt, hat Mareike umrundet und ist dann wieder vor und zurück gerannt, hat Mareike umrundet und ist dann wieder vor und zurück gerannt, hat Mareike - ihr wisst schon. Crazy blaue Hortensien!  Ach ja, Rad gefahren sind wir auch noch. Unser Start war in Leer in Ostfriesland und das erste was wir sahen, war eine noch rauchende, ...