Letzter Tag. Häufig ein wenig traurig weil die Reise zuende geht, aber Utrecht hat richtig nochmal einen rausgehauen.
Wir hatten unsere Route so geplant, dass wir erst noch Shoppen würden und am Ende ins Hotel fahren und das eine gute Entscheidung! Wie eine kleine Stadtrundfahrt. Wir sind mitten in eine Einkaufsstraße mit vier Spieleläden und anderen coole Geschäfte gekommen. Irgendwie alternativ, irgendwie nerdig, irgendwie hipster, irgendwie progressiv. Wir sahen einen Fahrradladen und wurden vom Inhaber direkt in den Laden gewunken, wir sollten bloß nicht die Räder draußen stehen lassen. Super nett gesmalltalkt und zwei neue Reifenheber gekauft. Ganz anders als was man so kennt, soll super funktionieren. Einen Espresso haben wir auch noch bekommen und folgen ihm jetzt natürlich auf Instagram. Die vier Spieleläden sind alle ein wenig anders aufgestellt und haben alles an kleinen und großen Spielen und Sammelkarten und und und.
Malte cremt sich das Gesicht mit Zahnpasta ein. Das war jedoch aus Versehen, sie konnte die Tuben ohne Brille nicht auseinanderhalten.
Hier trägt niemand einen Fahrradhelm.
Die Städte sind leer. Wo sind alle hin? Im Urlaub wahrscheinlich, denn überall wo man hinkommt trifft man Niederländer*innen. Außer in Utrecht. Hier sind alle da. Wir sind in Fahrradströme geraten, das haben wir noch nie vorher erlebt. Hier im Zentrum gibt es nur Öffis oder Fahrräder. Und auch weiter draußen kaum Privatautos. Aber hier fährt es sich per Rad auch einfach so gut, dass niemand was mit dem Auto machen wollen würde. Jedenfalls verlor ich Malte irgendwann auf der Route, weil wir links ab mussten, wir aber ständig überholt wurden und man sich fast nicht traute, auszuscheren. Ich habe dann meinen Arm raus gehalten und als ich merkte, nein hoffte, dass niemand mehr vorbeiziehen würde, scherte ich links aus und blieb an der Ampel stehen. Malte stand rechts am Rand und wartete ziemlich lange bis sie zu mir rüber kommen konnte. Dann immer noch diese Fatbikes und die Lieferanten mit ihren riesigen Fahrradboxen. Es muss einfach überraschend wenig passieren, dafür dass es für uns wie Chaos aussieht. Ich glaube, WIR waren heute die Gefahr, mit unserer unsicheren Fahrweise. Hat aber alles geklappt und mit kleinen Schätzen beladen kamen wir zu unserem zweiten Shoppinghighlight: Der Mantel Mega Store - ein riesiger Fahrradladen. Dort haben wir uns selbst beschenkt und uns neue Fahrradbrillen gekauft. Beide von Oakley und meine hat fotochromatische Gläser. Bockt.
Gut bebrillt ging es zum Hotel zurück, nicht aber ohne den obligatorischen Supermarktbesuch. Jumbo sollte es heute sein, vor allem, um unsere Vorurteile abzubauen, denn wir dachten, dass Jumbo eher sowas wie Netto sei. War es aber nicht, nicht hier in diesem Jumbo in Utrecht, das war ein Supermarkt vom Feinsten!
Dinge, die sonst noch notierenswert sind:
In zwei Cafés in Hochtourigebieten gab es keine Hafermmilch, aber bitte fragen Sie nach Allergenen.
In dem nicht-Hafermilch Café bei den Blaualgengrachten lief KI Musik. "I want to get out of my head, in my heart, in your bed." Dieser absolut schwachsinnige Text hat mich aufhören lassen. Was soll sowas und warum spielt man sowas ab?
Heute sind wir durchs Naturschutzgebiet Biesbosch gefahren, mit einer kleinen Fähre ging es rüber, natürlich mit Kartenzahlung.
Warum können Geschäfte/Cafés bei uns das nicht, wenn das sogar die Minifähre kann? Sie hat nur Platz für 12 Fahrräder und Menschen.
Und Vögel! Alle Vögel sind schon da, alle in den Niederlanden. Man sieht sie hier alle, überall, es gibt so viele Vögel in den Niederlanden. Schwalben, Möwen, Gänse, Enten you name it. Hätten wir die Nabu Vogelwelt ordentlich gepflegt, wäre sie aus allen Nähten geplatzt.
Unser Hotel heute ist in einer Kirche.
Mega gut, allerdings ist unser Zimmer winzig und es gibt eine Riesendecke für uns beide. Aber da werden wir gleich nachfragen, ob wir noch eine bekommen. Gestern gab es auch nur eine Decke und es war bumswarm. Wir mussten uns um 90 Grad drehen, damit die hintere Person keine Hitzeplatzangst bekam, aber dadurch hingen die Füße raus. Und wir haben die Decke auseinander gebaut und uns nur mit dem Bezug zugedeckt. Dann wurde es zu kalt, man musste wieder was drüber legen und so weiter und so fort. Das Schlafen war anstrengend. Jetzt haben wir auch wenig Platz, aber es gibt eine Klimaanlage. Und es ist auch grundsätzlich nicht mehr so heiß.
Unsere Fahrräder stehen jetzt in einer bewachten Fahrradgarage.
Das Fahrrad bekommt einen Strichcode aufgeklebt und man erhält den dazu passenden Plastiktag, den man dann bei der Abholung vorzeigt und der Fahrradwachdienstmann scannt diesen und den Aufkleber auf dem Fahrrad. Die ersten 24h sind kostenlos, dann kostet es 0,75€ pro Tag. Es gab da sogar einen Automaten, von dem man Fahrradlampen kaufen konnte.
Utrecht macht Bock und die Niederlande machen Bock.
Und dann grüßte uns der Mann, der uns die Fahrradbrillen verkauft hat, als er mit seinem Rennrad nach Feierabend an uns vorbei fuhr und wünschte uns viel Vergnügen mit unseren neuen Brillen.
Die Niederländer*innen machen auch Bock.










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