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Niederlande Tag 3 - 90km und arschviel Wind

Wir sind bei der Planung der Niederlande Tour ein wenig naiv gewesen: "Ach, mehrfach 100km, das macht ja nichts, ist ja flach." Zum Glück wurden uns heute 26km durch den Fahrradbus abgenommen, denn:

Boah war das heute windig!

Und natürlich nur Gegenwind. Alter Holländer! 

Nach zehn Kilometern fragte Malte sich, wo eigentlich ihre zweite Radhose abgeblieben war, die sie zum Trocknen auf die Tasche geschnallt hatte. 

Nach 13km gab es die geplante Frühstückspause oben auf dem Deich, damit wir endlich mal das Meer sehen konnten. Der Radweg geht innen, unten am Deich entlang. Da saßen wir, in der Schafscheiße und aßen Haferflocken mit Jogurt. Es wurde wärmer, T-Shirt an, Sonnencreme drauf und 2km später fragte ich mich, wo eigentlich meine Uhr abgeblieben war.

Zum Glück fand ich sie in meiner Radtasche wieder. Maltes Hose blieb verschollen und wir hatten schon zu viele Kilometer gegen den Wind geknüppelt, dass wir sie nicht suchen fahren wollten.

Der Wind wurde stärker und die Gespräche immer reduzierter. Wir entschieden dann, abwechselnd Windschatten zu fahren, um ein wenig Energie zu sparen. Und so holperten (über die Schafscheiße) wir hinterm Deich mit 10km/h entlang. Und das sollten insgesamt 85 werden? The fuck! 

25km, der Amelandfähranleger näherte sich und Komoot gönnte uns ein Stück über die Deichwiese, um vom Radweg auf den Weg zum Fähranleger zu gelangen. Es endete an einem Zaun, über den wir dann unser Gepäck und Räder drüber heben mussten. Danke Komoot, für wieder mal gar nichts. The fuck!

Der Wind war so scheiße, dass wir dann aber keine Lust hatten, zum Fähranleger für einen Kaffee zu fahren und drehten kurzerhand in den Ort rein. Eine kleine Galerie war es, bei der wir eine Pause machten, Malte mit Kaffee, ich mit grünem Tee, den ich selbst in ein Teeei tun konnte, jedoch hatte das Teeei so wenig Löcher, dass der Tee nicht das Wasser berührte und ich den Tee dann kurzerhand lose ins Glas geworfen habe. Die oben schwimmenden Teeblätter habe ich dann mit dem Teeei abgeschöpft und konnte dann das Getränk stückchenfrei trinken. Schmeckte aber nicht nach versprochenem grünen Tee. Na ja, egal.

Die Pause war aber super, denn wir hatten Zeit drüber nachzudenken, ob wir den Rest des Tages am bescheuerten, zugekackten Deich mit direkter Windbeballerung fahren wollten. Nö, natürlich nicht. Also Umleitung. Beste Idee ever. War immer noch windig, aber ein wenig abgeschwächt und es kamen immer mal Häuser, Ortschaften, Bäume, Hecken, die Windschutz boten. 

Zum Mittag gab es Gesichtsmortadellapattyburger. So schmeckten die Teile jedenfalls. Ich hatte einen Hamburger und Malte einen Hamburger spezial - der Hamburger war original nur ein Brötchen mit Gesichtsmortadellapatty, also wirklich nur trocken Brötchen und Patty und auf dem Hamburger spezial war das drauf, was man auf einem gewöhnlichen Hamburger erwartet. Eigentlich eine Frechheit. 

Weiter gegen den Wind. Sehr häufig hat Malte Zugpferd gespielt und dem armen, kleinen Lars Windschatten geboten. 

Kurz in einen Ort abgebogen, einkaufen und dann war der Damm nicht mehr weit. Irgendwie beflügelt verflogen die letzten 12km bis zum Fahrradbus, was auch daran lag, dass wir Windsurfende und Kitesurfende auf dem Ijsselmeer beobachten konnten. 

Dennoch kamen wir ganz schön im Arsch am Bus an und hatten so ein Glück! Eigentlich hätte er um 16:45 fahren sollen, aber der Busfahrer hat noch mit einem anderen Busfahrer geschnackt und sonst war noch niemand da, so dass wir auch um 17:00 sofort mitgenommen wurden.

Und wie nett der Busfahrer war! An einer Stelle sollten wir unbedingt aussteigen, für Sightseeing und er verlangte ein Handy von uns, damit er ein Foto von uns beiden machen konnte. Herrlich! Was für ein Entertainer!

Hier haben wir ein sehr kleines, aber okayes Hotelzimmer, allerdings gegenüber von einer Bar, die adhs mäßige Hollandschlager spielt... Wir hoffen auf die 22Uhr Nachtruhe.

Und dann wird es morgen heißen: Regen

Und die Umleitung wird direkt heute geplant. Scheiß auf den Deich, kürzeste Strecke. Außerdem sieht man weiter innen im Land eh mehr, denn am Deich sieht man rechts nur Deich und links nur ein bisschen Wiesen. Und Vögel. Und Schafe. Aber irgendwann hat man die auch alle gesehen.

Nachtrag: Die Fallarmmarkisen

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