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Niederlande Tag 2 - 97km 90hm

Es ist schon 21Uhr, aber vor dem Blog mussten wir noch den nächsten Tag planen - 110km. Morgen werden wir nicht so lange mit Frühstück vertüddeln, sondern einpacken und losfahren. Nach 13km dann Frühstück, Kaffee am Fähranleger, in den oberen 40 Mittag, 66 einkaufen und dann über den Damm. 35km einfach nur geradeaus. Das wird spannend. Deshalb der Blog von heute erst so spät.

Es ging gut los mit einem Platten. Mein erster Platten auf all unseren Touren. Der Plattengott hat es vielleicht auf mich abgesehen, denn ich hatte mit meinem Bus am Tag vor unserer Tour auch einen Platten. Aber das war kein Problem für uns, das Ding souverän geflickt, mit der Minipumpe aufgepumpt und weiter ging es immer am Deich entlang. Dunkle Wolken bis zum späten Mittag, danach blauer Himmel, Sommerwetter, versüßt mit mittlerem Gegenwind. 

Wir haben Trillionen von Gewitterfliegen an Armen und Shirt und Gesicht gesammelt und sind einmal aus Angst vor dem Horrortrecker in den Graben gefahren. Der Horrortrecker hat vier riesige, schmale Reifen und ist so hoch, dass man sich nur etwas bücken müsste und er könnte über einen unbeschadet drüber fahren. Aber dadurch ist der Horrortrecker auch so riesig und breit, dass man ganz lieber in den Graben fährt, als irgendwie auf der Straße zu bleiben. Natürlich auch hier akkes souverän und kontrolliert. Der Graben war keine Gefahr für uns. Der Horrortrecker schon.

Wir haben Seehunde gesehen! Auf dem Deich war eine große Holzwand mit Löchern aufgebaut, um Seehunde beobachten zu können, ohne sie zu stören. Das war fantastisch.

Das ist kein Seehund, das bin ich.

Hinter dem Deich fuhren wir an tiefenentspannten Schafen vorbei, begleitet von Kamikazeschwalben, die immer kurz vor unseren Rädern den Weg kreuzten. 

Die Radwege hier sind fantastisch! Radautobahnen oder Betonplattenwege vom Feinsten. Sogar zwischen den Felden sind die Radwege betoniert. Sie sind schmal, aber mega gut zu fahren. Ein Traum. Sogar durchs Militärtrainingsgebiet schlängelte sich so ein Betonradweg. 

 

Update

Gute Nachrichten! Wir dürfen gar nicht über den 35km langen Damm fahren. Wir müssen den Bus nehmen. Alles ist nun gar nicht mehr so schlimm und es wird ein herrlicher Tag morgen. 85km sind ein Klacks!

Dann kann ich jetzt auch noch ein wenig weiter ausholen.

Ich muss gestehen, dass wir vor einigen Jahren dachten, dass die Niederlande langweilig seien, aber wenn man erstmal mit dem Rad ein Land bereist, lernt man es anders kennen. Mit der Grenze sahen die Häuser anders aus. Nicht nur riesige Fenster, nein, auch riesige Häuser auf Anwesen, oder kleine, verspielte, unsymmetrische Häuser, es gibt Sonnenschutz an den Fenstern, ach, ich weiß, wir müssen Fotos liefern. Haben wir aber noch nicht. Jedenfalls sieht man mit dem Fahrrad Dinge, die man mit dem Auto nie wahrnehmen würde.

Und die Leute im Service sind so wahnsinnig nett und herzlich. Unglaublich!

Zum Mittag gab es wieder mal Pommes mit Pepsi und auch hier wurden wir, wie in einigen anderen Ländern, enttäuscht: Damit die Pepsi weniger Zucker enthält, haben sie Süßungsmittel reingekippt. Toll. Schmeckt blöd. Und auch die Eiswürfel verdünnen nur den Pepsigeschmack, aber nicht den Süßungsmittelgeschmack. Die Pommen waren aber heiß und lecker. 

Malte hatten während des Essens noch eine hervorragende Idee! Man sollte Trump nämlich den ganzen Tag, 24/7 vors Schienbein treten. Und damit das nicht so anstrengend ist, sollte das eine kleine Maschine übernehmen, die Melania einfach den ganzen Tag mit dem Fuß bedienen kann, während sie ihr eigenes Weihnachtsbuch liest und sich bei jeder Wiederholung wundert, was in ihrem Buch steht. 

Kurz danach besuchten wir einen Radladen, um unser Flickzeug nachzufüllen und auch hier hatte Mareike die fantastische Idee, sich noch ein neues Fahrrad zu kaufen. Da sie ihr altes Rad aber noch bei Ebay verkaufen wollte, habe ich vorgeschlagen, es einfach hinter sich her zu ziehen. Schleift halt ein bisschen und macht einen Höllenlärm, aber das Konzept klang rund. Wenn sie es dann den ganzen Tag mit ihrem neuen E-Koga hinterherschleift, wird sie mich die ganze Zeit fragen wieviel sie wohl noch bei Ebay dafür bekommt. Und ich sage dann jedes Mal ein bisschen weniger. Vielleicht bleibt der Lenker auch mal in einem Viehgatter hängen. Man weiß es nicht. Klingt aber rund.

Der einzige Grund, warum wir das dann nicht gemacht haben war, dass die Klingel am E-Koga nicht die richtige Farbe hatte.

Na gut, dann halt mit Muskelpower weiter.

Jetzt sind wir in Lauwersoog in einer Gartenhütte in einer alten Bootshalle. 

Und das ist dieses Mal kein Scherz. Hier ist ein Wohnmobilplatz und die alte Bootshalle wurde richtig cool eingerichtet. Es gibt eine Küchenzeile, dabei Tische, dann geht man um eine Ecke und kommt in einen Bereich wie ein Wohnzimmer und da stehen einfach 3 Gartenhütten, die man mieten kann. Und alles maritim eingerichtet. Irgendwie absurd und irgendwie wie im Filmstudio. 

 






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